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Emissionen senken

Die CO₂-Emissionen sinken um fast 55 Prozent

Schlagzeile 2040: Klimaziele verfehlt?

Diese Schlagzeile kennen wir natürlich noch nicht, aber so oder ähnlich könnten die Medien im Jahr 2040 titeln. Wie kommen wir darauf?

In ihrem 2010 beschlossenen Energiekonzept fordert die Bundesregierung bis 2040 eine erhebliche Verringerung der energiebedingten CO2-Emissionen. Die gute Nachricht: Insgesamt gehen die energiebedingten CO2-Emissionen, die etwa 90 Prozent der gesamten CO2-Emissionen ausmachen, von 1990 bis 2040 um über die Hälfte zurück. Aber das genügt nicht, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen.

Tabelle — Energiebedingte CO2-Emissionen 1990 bis 2040

Das zeigt eine genauere Betrachtung der Emissionen. In unserem Prognosezeitraum wirkt sich der sinkende Energiebedarf (CO2-Mengeneffekt) positiv auf die Emissionen aus. Ebenso sorgen Veränderungen im Energiemix für eine Minderung des energiebedingten CO2-Ausstoßes (CO2-Mixeffekt) - allerdings nicht in gleichem Maß.

Im abgelaufenen Jahr 2015 sorgte der kühlere Winter für höheren Energieverbrauch und damit für mehr Emissionen als im milden Jahr davor. Aber auch unabhängig von den Temperaturen sinken die Emissionen nicht ausreichend. Dies ist eine Folge der erhöhten Nutzung von Kohle zur Stromerzeugung. Gleichzeitig kamen weniger CO2-freie Kernenergie und weniger Erdgas zum Einsatz. Erdgas emittiert bei der Verstromung etwa 60 Prozent weniger CO2 als Kohle. Damit wird klar erkennbar, wie wichtig ein klimaschonender Energiemix gerade bei der Stromerzeugung ist.

Die fehlende Kernenergie muss auch weiterhin teilweise durch fossile Energieträger ersetzt werden, allein mit Erneuerbaren geht es nicht. Selbst bei einem wachsenden Anteil von Erdgas, das die niedrigsten Emissionen unter den fossilen Energieträgern aufweist, verläuft die CO2-Reduzierung hin zu einem saubereren Energiemix langsamer als geplant.

55 Prozent

Bis 2040 sinken die energiebedingten CO2-Emissionen um fast 55 Prozent im Vergleich zu 1990.

Die Klimaziele der Bundesregierung lauten:

  • 40 Prozent CO2-Reduzierung bis 2020
  • 55 Prozent CO2-Reduzierung bis 2030
  • 70 Prozent CO2-Reduzierung bis 2040

Mit mehr Erdgas den Klimazielen näher kommen

Ab 2016 wird Kohle in der Stromerzeugung komplett durch Erdgas ersetzt. Erdgas emittiert bei der Verbrennung etwa 60 Prozent weniger CO2 als Kohle. So würden wir das Klimaziel von 2020 schon 2016 erreichen. Auch 2030 wären wir nicht sehr weit von der angestrebten CO2-Reduzierung um 55 Prozent entfernt. Ein gewaltiger Schritt nach vorn im Vergleich zum CO2-Basisszenario, in dem wir von einer schrittweisen Verlagerung der Stromerzeugung von Kohle zu Erdgas ausgegangen sind.

Tabelle — Energiebedingte CO2-Emissionen

Erdgas emittiert weniger CO₂ als Kohle

Bei der Stromerzeugung wirkt sich die Wahl der Energieträger entscheidend auf die Entwicklung der gesamten CO2-Emissionen aus. Schließlich ist die Stromproduktion mit einem Anteil von fast 40 Prozent der größte Sektor des Primärenergieverbrauchs.

Auf lange Sicht werden fossile Energieträger noch ihren Beitrag in der Stromerzeugung leisten müssen. Die CO2-freie Kernenergie entfällt ab 2023. Die Erneuerbaren allein können den Bedarf nicht decken. Trotzdem lassen sich die Emissionen bei der Stromproduktion in unserem Prognosezeitraum noch deutlich senken – durch eine wirksame Veränderung im Energiemix.

Tabelle — Vergleich CO2-Emissionen in der Stromerzeugung

Am deutlichsten wird dies durch einen Vergleich des CO2-Ausstoßes der heutigen Hauptenergiequellen für die Stromerzeugung: Braunkohle und Steinkohle mit Erdgas. Bei der Erzeugung einer Megawattstunde (MWh) Strom mit Erdgas lassen sich die Emissionen im Vergleich zu Steinkohle um über 40 Prozent, im Vergleich zu Braunkohle sogar um über 70 Prozent senken. Beim aktuellen Erzeugungsmix liegt der Durchschnitt bei fast 60 Prozent.

60 Prozent

Ersetzt man bei der Stromerzeugung Kohle durch Erdgas, lassen sich die CO2-Emissionen in diesem Sektor um etwa 60 Prozent senken.

Aktuell steht Erdgas allerdings in Konkurrenz zur Kohle. Ihr Einsatz in der Stromproduktion ist wegen der günstigen Weltmarktpreise gestiegen. Solange die Preise für CO2-Zertifikate niedrig sind, verdrängt Kohle damit Erdgas aus der Stromerzeugung. Das hat jedoch negative Folgen für die CO2-Emissionen und das Erreichen der Klimaschutzziele. Hier wird langfristig eine Umorientierung erfolgen (müssen).

Und wenn dann neben der Stromerzeugung auch andere Sektoren wie Haushalte und Verkehr ihren Teil beitragen, könnte die Energiewende gelingen.

Pkw CO₂-Emissionen minus 52 Millionen Tonnen

Insgesamt reduzieren sich die CO2-Emissionen aller Pkw von heute 93 auf 41 Millionen Tonnen im Jahr 2040. Damit sinkt der Beitrag des Pkw-Verkehrs zu den gesamten energiebedingten CO2-Emissionen von 12 auf 9 Prozent, also stärker als der Durchschnitt.

Das hat verschiedene Gründe: Der zurückgehende Pkw-Bestand sowie eine sinkende jährliche Fahrleistung wirken sich dämpfend auf die Emissionen im individuellen Personenverkehr aus. Die Fahrzeugantriebe werden zunehmend elektrifiziert und erheblich effizienter. Auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer beeinflusst die Emissionen: Besonders in den Städten nutzen sie verstärkt öffentliche Verkehrsmittel, die wachsenden Carsharing-Angebote oder steigen auf das Fahrrad um, manchmal sogar alles in Kombination.

Tabelle — Pkw CO2-Emissionen

Die Grafik zeigt die Faktoren, die die Entwicklung der CO2-Emissionen im Pkw-Sektor am stärksten beeinflussen:

Beim Kraftstoffmix wird im Prognosezeitraum zunehmend Diesel eingesetzt, der bei der Verbrennung mehr CO2 emittiert als Benzin, Flüssig- oder Erdgas. Deshalb steigen mit dem wachsenden Dieselanteil die Emissionen um 1,2 Millionen Tonnen. Durch den abnehmenden Pkw-Bestand und die sinkende jährliche Fahrleistung wird die gleiche Menge CO2 eingespart. Der entscheidende Faktor zur Senkung der Emissionen in den nächsten 25 Jahren ist daher der abnehmende spezifische Verbrauch, der eine Reduzierung der CO2-Emissionen um 52 Millionen Tonnen bewirkt.

52 Millionen

Allein durch die Senkung des Pkw-Kraftstoffverbrauchs werden 52 Millionen Tonnen CO2 bis 2040 eingespart.

Im Jahr 2040 fahren noch zwei Drittel aller Pkw mit Benzin oder Diesel. Das zeigt deutlich, wie wichtig es ist, dass an der Effizienz der Verbrennungsmotoren weiter gearbeitet wird. Der Verbrauch von dann immer noch 30 Millionen Autos kann mit heute bereits umsetzbaren Maßnahmen erheblich gesenkt werden. Darin steckt in den nächsten 25 Jahren deutlich mehr Potential zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr als in zusätzlichen Elektrofahrzeugen. Diese tragen 2040 nur zu 7 Prozent zum Pkw-Bestand bei. Außerdem muss für sie im Gegensatz zum bestehenden Tankstellennetz eine neue Infrastruktur erst aufgebaut werden.

Vor allem die bessere Effizienz der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sorgt dafür, dass die Emissionen im Pkw-Sektor bis 2040 um über 55 Prozent sinken. Ein Hebel, der sofort genutzt werden kann. Das darf bei der Diskussion um die Einführung von Elektrofahrzeugen nicht aus den Augen verloren werden, wenn der CO2-Ausstoß im individuellen Personenverkehr auch schon kurzfristig wirkungsvoll reduziert werden soll.

CO₂-Emissionen im Überblick

Die CO2-Emissionen werden bis 2040 im Vergleich zu 1990 um fast 55 Prozent sinken. Ein großer Schritt nach vorn, aber die Klimaziele der Bundesregierung werden so nicht erreicht. Näher kommen könnte man ihnen mit mehr Erdgas in der Stromerzeugung, denn Erdgas emittiert bei der Verbrennung bis zu 60 Prozent weniger CO2 als Kohle. Und die Pkw-Emissionen lassen sich um 52 Millionen Tonnen senken, wenn Verbrennungsmotoren mit heute verfügbarer Technologie konsequent sparsamer gemacht werden.

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