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Autos im Stau

Erdgas und Mineralöl bleiben unverzichtbar

Gas und Öl decken mehr als 60 Prozent des Primärenergiebedarfs

Nach 2030 beginnt Erdgas, Mineralöl den Platz 1 im Energiemix streitig zu machen. Bis 2040 steigt sein Anteil auf 36 Prozent. Als fossiler Energieträger mit dem niedrigsten CO2-Gehalt leistet es einen notwendigen Beitrag zum Erreichen der gesteckten Klimaziele der Bundesregierung.

Mineralöl bleibt wegen seiner hohen Energiedichte unverzichtbar, das gilt für die Mineralölprodukte Benzin und Diesel im Verkehrssektor genauso wie für Heizöl im Sektor Haushalte. Der Anteil von Mineralöl im Energiemix beträgt 2040 deshalb immer noch mehr als ein Viertel des gesamten Primärenergiebedarfs.

Wo Erdgas zum Einsatz kommt

Traditionell wird Erdgas hauptsächlich als Wärmelieferant wahrgenommen. Das ist nachvollziehbar, denn heute entfallen auf den Wärmesektor insgesamt rund 55 Prozent des Erdgasverbrauchs. Wie bei anderen Energieträgern ändert sich aber in unserem Prognosezeitraum auch bei Erdgas die Verbrauchsstruktur erheblich.

Jeder zweite Haushalt heizt mit Erdgas.

Christian Kerfs, Leiter Gas Marketing Gesellschaft ExxonMobil

Erdgas als Heizenergie

Im Wärmesektor sind verschiedene Trends zu erwarten. Der Erdgasbedarf für Raumwärme und Warmwasser von Haushalten und Gewerbe sinkt deutlich von heute rund 1.500 Petajoule auf ca. 1.100 Petajoule im Jahr 2040. Das entspricht einem Rückgang von über 25 Prozent. Die Gründe für den verminderten Bedarf an Erdgas: der verstärkte Einsatz moderner, effizienterer Heizungstechnologien, eine bessere Wärmedämmung sowie die weitere Marktdurchdringung der erneuerbaren Energien in diesem Bereich. Damit gibt es auch immer mehr Hybridheizsysteme wie zum Beispiel Erdgasbrennwertheizungen in Kombination mit Solarthermie.

Wie groß die Steigerung der Energieeffizienz im Sektor Haushaltswärme ist, wird deutlich, wenn man sich die demografische Entwicklung und das Verbraucherverhalten genauer ansieht: Obwohl die Bevölkerungszahl zum Ende unseres Prognosezeitraums bis 2040 abnimmt, bleibt der Wohnungsbestand fast unverändert und die Größe der Wohnungen steigt sogar an. Trotzdem geht der Bedarf an Heizenergie der Haushalte bis 2040 insgesamt um fast ein Fünftel zurück. Erdgas trägt dann aber immer noch rund ein Drittel bei.

Tabelle — Erdgasverbrauch nach Sektoren

Erdgas bleibt wichtig für die Industrie

Der Bedarf an Prozesswärme aus Erdgas für den industriellen Einsatz steigt infolge des Wirtschaftswachstums in Deutschland von aktuell rund 800 Petajoule auf fast 900 Petajoule an. Das entspricht einem Zuwachs von gut 10 Prozent.

Mehr Erdgas in der Stromerzeugung

Mit zunehmendem Einsatz wetterabhängiger Energiequellen wie Windkraft und Sonnenenergie kommt Erdgas künftig in der Stromerzeugung eine viel größere Bedeutung zu. Zur stabilen Grundversorgung mit Strom wird Erdgas als Energieträger benötigt, denn es ist flexibel einsetzbar und ausreichend verfügbar. Besonders wichtig: Erdgas emittiert bei der Verbrennung rund 60 Prozent weniger CO2 als Kohle. Der Erdgasbedarf für die Stromerzeugung wird deshalb von aktuell rund 380 Petajoule beinahe um das Dreifache auf mehr als 1.100 Petajoule im Jahr 2040 ansteigen.

60 Prozent

Erdgas emittiert bei der Verbrennung rund 60 Prozent weniger CO2 als Kohle.

Erdgas mit viel Potential im Güterverkehr

Im Verkehrssektor spielt Erdgas heute nur eine untergeordnete Rolle. Erdgas-Pkw werden fast nur gewerblich, zum Beispiel als Flottenfahrzeuge von Stadtwerken, genutzt. Ihre höheren Anschaffungskosten amortisieren sich nur bei hoher Fahrleistung über den niedrigeren Verbrauch. Dazu kommen erschwerend eine geringere Reichweite, ein großer Erdgastank, der den Platz im Kofferraum einschränkt, sowie ein recht weitmaschiges Tankstellennetz. Deswegen bleibt der Anteil von Erdgasfahrzeugen am gesamten Pkw-Bestand im Prognosezeitraum relativ klein.

Ein großes Potenzial sehen wir jedoch für die Nutzung von verflüssigtem Erdgas (LNG) im Güterverkehr und in der Schifffahrt. Auch in diesen Sektoren spielen höhere Energieeffizienz und weniger Emissionen eine zunehmend wichtige Rolle. Erst gegen Ende des Prognosezeitraums wirken sich die LNG-Volumen beim Erdgasbedarf spürbar aus. Es wird noch einige Jahre dauern, bis die technische Entwicklung der Fahrzeuge auf breiter Basis marktreif und die entsprechende Infrastruktur dafür geschaffen ist. Die ersten Maßnahmen wurden mit dem 2013 gestarteten europäischen Projekt "LNG Blue Corridor" bereits eingeleitet. Dessen Ziel ist der Bau von Tankstellen für umweltschonende Kraftstoffe entlang von vier Routen durch Europa. Die längste dieser Routen wird Schweden mit Spanien verbinden und so auch durch Deutschland verlaufen. Neben Deutschland sind Repräsentanten aus weiteren 10 Ländern im Projektkonsortium vertreten.

Fazit: Erdgas wird die Nummer 1

In allen Sektoren zusammen nimmt der Erdgasbedarf im Prognosezeitraum um rund 20 Prozent zu. Besonders im Verbrauchssektor Stromerzeugung wird bis 2040 mehr Erdgas benötigt. Sein Anteil steigt dort von 7 auf fast 40 Prozent, was deutlich zeigt, dass Erdgas noch weit mehr Potential besitzt, als die überwiegende Nutzung als Heizenergie heute vermuten lässt.

Der Mineralölverbrauch sinkt um ein Drittel

Insgesamt geht der Bedarf an Mineralöl um ein gutes Drittel zurück. Es bleibt zwar mit einem Anteil von 26 Prozent am Energiemix einer der bedeutendsten Energieträger, seine Dominanz wird aber auf den Verkehrssektor zurückgedrängt. Auch bis zum Ende unseres Prognosezeitraums 2040 werden noch etwa zwei Drittel aller Pkw mit Otto- oder Dieselmotoren fahren, da die hohe Energiedichte von Benzin- und Dieselkraftstoff kaum zu ersetzen ist.

Ohne Benzin und Diesel geht es auch 2040 nicht.

Rainer Bogner, Leiter Esso Tankstellengeschäft

Viel weniger Benzin im Mineralölmix

Der Produktmix von Mineralöl ändert sich bis 2040 erheblich. Besonders betroffen von der Entwicklung sind die Ottokraftstoffe. Hier geht die Nachfrage stark zurück, da die Fahrzeuge weniger verbrauchen, die Zahl der Otto-Pkw abnimmt und die jährlichen Fahrleistungen sinken. Hinzu kommt eine steigende Beimischungsquote von Bioethanol. Alle Einflussfaktoren zusammen führen zu einem deutlichen Bedarfsrückgang an Benzin um rund 65 Prozent.

Diesel bleibt gefragt

Diesel kann sich unter den Mineralölprodukten am besten behaupten. Auch hier sinkt zwar der spezifische Verbrauch und die Beimischung von Biodiesel erhöht sich, aber die Zahl der Pkw, die mit Diesel fahren, nimmt zu. Zudem steigt die Jahresfahrleistung der auch gewerblich genutzten Dieselfahrzeuge; die positive Wirtschaftsentwicklung sorgt für mehr Straßengüterverkehr. Deswegen geht der Bedarf an fossilem Dieselkraftstoff "nur" um rund 30 Prozent zurück. Rechnen wir Biodiesel dazu, sinkt die Nachfrage nach Diesel sogar nur um 22 Prozent.

Tabelle — Mineralölverbrauch nach Produkten

67 Prozent

2040 fahren noch 67 Prozent aller Pkw in Deutschland mit Benzin oder Dieselkraftstoff.

Der Bedarf nach leichtem Heizöl halbiert sich

Ähnlich wie Benzin ist auch leichtes Heizöl stark von sich ändernden Marktbedingungen betroffen. Der Bedarf an leichtem Heizöl sinkt bis 2040 um fast 44 Prozent, weil energiesparende Brennertechnologien die energetische Gebäudesanierung immer stärker unterstützen. Die weiter zunehmende Vielfalt der Brennstoffe und Heizsysteme (Erdgas, Wärmepumpen, Hybridheizanlagen u.a.) geht ebenfalls zu Lasten des Heizöls im Wärmemarkt. Hier kommen zudem immer mehr dezentrale Kraft- und Wärmeerzeugungsanlagen zum Einsatz. Ihr Vorteil: Die Anlagen besitzen eine sehr hohe Energieeffizienz von bis zu 90 Prozent und tragen so dazu bei, die deutsche CO2-Bilanz kräftig zu entlasten.

Die Nachfrage nach Flugkraftstoffen bleibt stabil

Bei den Flugkraftstoffen macht sich genau wie beim Diesel die relativ positive Wirtschaftsentwicklung in Deutschland bemerkbar. In diesem Bereich verbessert sich die Effizienz zwar auch, aber die Einsparungen an Flugkraftstoff werden durch den wachsenden Luftverkehr, besonders im Frachtsegment, kompensiert. Damit bleibt die Nachfrage nach Flugkraftstoff im gesamten Prognosezeitraum stabil.

Rohbenzin bleibt wichtig für die Chemie

Rohbenzin als Chemieeinsatzprodukt partizipiert nicht an der relativ guten allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung, da die Erwartungen für die Chemiebranche gedämpft sind. Die Nachfrage geht hier daher um ein Viertel  zurück.

Schweres Heizöl wird kaum noch gebraucht

Schweres Heizöl wird immer weniger in Kraftwerken und auch in der Seeschifffahrt eingesetzt. Der Bedarf halbiert sich deshalb bis 2040.

Mineralöl bleibt die antreibende Kraft

Bis zum Jahr 2030 bleibt Mineralöl der wichtigste Primärenergieträger in Deutschland. Erst danach wird Erdgas zur Nummer 1 im deutschen Energiemix aufsteigen. Damit geht in gut 15 Jahren die Ära des Öls als wichtigster Energieträger zu Ende. Begonnen hatte sie in der Zeit nach 1945 mit der Massenmotorisierung und der Ablösung von Kohle durch Heizöl im Raumwärmebereich. Trotzdem bleibt Mineralöl bis 2040 im Verkehrssektor die (an-)treibende Kraft.

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