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Stromzähler

Primärenergieverbrauch sinkt durch mehr Energieeffizienz

Gas und Öl bleiben unverzichtbar

Im Prognosezeitraum geht der Primärenergieverbrauch (PEV) um fast 30 Prozent zurück. Das zeigt, wie viel effizienter wir bis 2040 mit Energie umgehen, denn unsere Wirtschaftsleistung wächst ja weiter. Mit einem Anteil von zusammen fast 60 Prozent bleiben Erdgas und Mineralöl auch am Ende unseres Prognosezeitraums die wichtigsten Energieträger.

Insgesamt sinkt der Primärenergieverbrauch im Prognosezeitraum von 13.090 auf 9.470 Petajoule. Effizientere Technologien und der bewusstere Umgang mit Energie machen diese hohen Einsparungen möglich. Daneben haben auch andere Entwicklungen Einfluss auf den Rückgang des Energieverbrauchs. Dazu zählt zum Beispiel die Verschiebung der wirtschaftlichen Aktivitäten vom Industriesektor hin zum weniger energieintensiven Dienstleistungssektor.

Entwicklung Primärenergieverbrauch bis 2040

Mineralöl bleibt wichtig für Auto und Heizung

Der Anteil von Mineralöl im Energiemix ist zwar rückläufig, beträgt 2040 aber noch mehr als ein Viertel des gesamten PEV. Zum Einsatz kommt es verstärkt in den Sektoren Verkehr und Haushalte. Auch am Ende unseres Prognosezeitraums fahren immer noch 65 Prozent aller Pkw in Deutschland mit Benzin oder Dieselkraftstoff, die aus Mineralöl gewonnen werden. Zudem bleibt Heizöl als Energieträger mit hoher Energiedichte gleich aus mehreren Gründen wichtig: Heizöl ist im Raumwärmebereich ein perfekter Partner der regenerativen Energien, denn es kann auch in Häuser transportiert werden, die nicht an ein Versorgungsnetz angeschlossen sind, und dort verlustfrei gespeichert werden.

Erdgas wird die Nummer 1

Nach 2030 beginnt Erdgas, Mineralöl den Platz 1 im Energiemix streitig zu machen. Erdgas ist ausreichend verfügbar und flexibel einsetzbar. Sein wichtigster Vorteil ist jedoch, dass es als fossiler Energieträger mit dem niedrigsten CO2-Gehalt einen relevanten Beitrag zum Erreichen der gesteckten Klimaziele leistet. Deswegen wird Erdgas zum unverzichtbaren Partner für die erneuerbaren Energien und gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Stromerzeugung.

60 Prozent

2040 werden noch fast 60 Prozent des deutschen Primärenergiebedarfs durch Öl und Gas gedeckt.

Der Energiemix wird klimaschonender

Erneuerbare Energien setzen sich immer stärker durch, sie verzeichnen bis 2040 das größte Wachstum. Ihr Anteil erhöht sich auf fast 25 Prozent.

Anders sieht es mit Kohle aus. Nach Ende der Wirtschaftskrise 2009 ist der Kohleanteil im Energiemix zwar kurzfristig gestiegen, ihr verstärkter Einsatz in der Stromerzeugung wirkt jedoch der Erreichung der Klimaziele entgegen. Kohle war 2013 zweitgrößter, aber auch umweltschädlichster Energieträger. Ab 2016 geht ihr Anteil stetig weiter zurück, zumal auch die wirtschaftliche Nutzung von CCS im Prognosezeitraum nicht zu erwarten ist. Ohne diese Technologie zur Abscheidung und unterirdischen Einlagerung von CO2 aus Verbrennungsabgasen lässt sich die Klimabilanz der Kohle nicht wesentlich verbessern. Im Jahr 2040 trägt Kohle nur noch 13 Prozent zum PEV in Deutschland bei und wird damit zum kleinsten Energieträger.

Im Juni 2011 beschloss die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie. Sie spielt deshalb ab 2020 kaum noch eine Rolle, 2023 wird sie nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke ganz aus dem Energiemix verschwunden sein.

Erneuerbare Energien wachsen um 60 Prozent

Erneuerbare Energien spielen bei der Deckung des deutschen Energiebedarfs eine immer wichtigere Rolle. 2040 tragen sie bereits ein Viertel zum gesamten Primärenergieverbrauch bei. Betrachtet man das Segment der Erneuerbaren mit den verschiedenen Energieträgern wie Biomasse, Wind und Sonne genauer, zeigt sich: Mit zunehmender Marktdurchdringung verlangsamt sich ihr Wachstum ab 2020 zwar, bis 2040 werden sie aber im Vergleich zu 2014 um fast 60 Prozent zunehmen.

Primärenergieverbrauch Erneuerbare Energien bis 2040

Obwohl ihr Anteil am PEV der erneuerbaren Energien relativ zurückgeht, werden Biogas auch 2040 noch fast 60 Prozent beitragen. Im Gegensatz zu Wind- und Sonnenenergie sind beide erheblich unabhängiger vom Wetter, das allerdings auch die Ernten beeinträchtigen kann.

Insgesamt nimmt der Primärenergieverbrauch von Biomasse und Biogas im Prognosezeitraum um 30 Prozent zu. Fragen der Nachhaltigkeit werden durch umfassendere Verwertung von Reststoffen wie Altholz sowie Weiterentwicklung von Bioenergiepflanzen der 2. und 3. Generation immer besser gelöst. Diese Problematiken spielen besonders bei der nicht unumstrittenen Biogasproduktion eine Rolle. Für Biogasanlagen werden Pflanzen mit hohem Energiegehalt wie zum Beispiel Mais benötigt. Die Fläche von Energiemais hat sich nach Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) von 2009 bis 2012 mehr als verdoppelt. Wurden 2009 noch 38.000 ha Maisanbaufläche für Biogas ausgewiesen, waren es 2012 schon 80.000 ha. Durch solche Entwicklungen können allerdings Monokulturen entstehen, die das ökologische Gleichgewicht stören. Deshalb wird diese Entwicklung nicht ungebremst weitergehen. Der Anstieg bei Biogas fällt daher moderater aus als bei der anderen Biomasse.

6 Prozent

2040 erreichen Wind- und Solarenergie zusammengenommen einen Anteil von 6 Prozent am gesamten Primärenergieverbrauch in Deutschland.

Der Ausbau der Windenergie schreitet deutlich voran. On- und Offshore-Produktion zusammengenommen verdreifacht sich ihr Beitrag bis 2040 beinahe. Am Ende des Prognosezeitraums trägt sie fast 25 Prozent zum PEV der Erneuerbaren bei. Bezogen auf den gesamten Primärenergieverbrauch Deutschlands sind dies aber erst 6 Prozent.

Photovoltaik und Solarthermie werden sich nahezu verdoppeln, sie tragen insgesamt aber am Ende des Prognosezeitraums nur knapp 15 Prozent zu den Erneuerbaren bei. Das entspricht einem Anteil von nur 3 Prozent am gesamten PEV des Jahres 2040.

Wasserkraft, Geothermie, Strom-Wärme-Pumpen und sonstige Erneuerbare bleiben mit zusammen rund 5 Prozent in der Nische.

Energieverbrauch so hoch wie der Berliner Fernsehturm

Im Jahr 2014 haben wir in Deutschland 13.090 Petajoule Primärenergie verbraucht. Umgerechnet in Liter wären das 11.540 Liter. Allerdings nicht pro Jahr, sondern pro Sekunde - also die Zeit, in der man gerade einmal tief beeindruckt "WOW" sagen kann!

Deutschlands sekündlicher Energieverbrauch, dargestellt in Getränkekisten

Wie können wir uns die enorme Menge von 11.540 Litern bildlich am besten vorstellen? Ganz einfach: Wir füllen sie in 1-Liter-Getränkeflaschen und packen diese in 12er-Kisten. Diese Kisten stapeln wir dann übereinander - wie im Supermarkt oder in unserem Keller. Allerdings könnte es dort etwas eng werden. Denn wenn wir den sekündlichen Energieverbrauch Deutschlands durch einen Turm von Getränkekisten darstellen, reicht dieser fast so hoch wie das höchste Gebäude Deutschlands, der Berliner Fernsehturm - nämlich 340 Meter!

2040 können wir dann schon etwas tiefer stapeln. Dank zunehmender Energieeffizienz benötigen wir weniger Primärenergie. Unser Kistenstapel ist dann "nur" noch 240 Meter hoch. In unseren Keller passt er dann aber immer noch nicht.

Energieeffizienz ist die beste Energiequelle

Es ist ganz einfach: Energie, die wir heute nicht verbrauchen, steht für die zukünftige Nutzung als Quelle zur Verfügung. Und Energieträger, die wir nicht verbrennen, emittieren auch keine Treibhausgase. Deshalb ist steigende Energieeffizienz die beste Möglichkeit, Energie einzusparen und das Klima zu schonen. Im Prognosezeitraum nutzt Deutschland mehr und mehr das Potenzial, das sich durch Energieeffizienz bietet.

„Energie, die wir nicht verbrauchen, belastet das Klima nicht.“

Dr. Andrea Jacobsen, Leiterin Marketing für Industrieschmierstoffe ExxonMobil Europe, zum Thema Energieeffizienz.

Weniger Primärenergieverbrauch trotz Wirtschaftswachstum

Dass es sich lohnt, das Potenzial höherer Energieeffizienz zu nutzen, zeigt folgendes Rechenbeispiel: Wir haben einmal hypothetisch ermittelt, wie viel mehr Primärenergie wir im Jahr 2040 bräuchten, wenn wir Energie im Lauf der Zeit nicht sparsamer und durch technischen Fortschritt effizienter nutzen würden. Basis unserer Berechnung ist der Zusammenhang zwischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Primärenergieverbrauch (PEV). Für das Jahr 2000 haben wir ermittelt, wie viel Primärenergie nötig war, um 1.000 Euro BIP zu erzeugen. Diesen Faktor haben wir auch für die Folgejahre bis 2040 zugrunde gelegt. Danach würden wir 2040 rund 60 Prozent Energie mehr benötigen als im Jahr 2000. Tatsächlich ist es aber über ein Drittel weniger.

34 Prozent

Weniger statt mehr: 2040 benötigen wir rund 34 Prozent weniger Energie als im Jahr 2000 - ohne steigende Energieeffizienz wären es etwa 60 Prozent mehr.

Einsparungen Primärenergieverbrauch gesamt

Energieeffizienz - Primärenergieverbrauch bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP)

Diese Bezugsgrößen unterstreichen das hohe Einsparpotenzial der Energieeffizienz: Waren im Jahr 2000 noch rund 6 Gigajoule nötig, um 1.000 EUR BIP zu erzeugen, so genügen 2040 2,5 Gigajoule für das gleiche Ergebnis.

Energieeffizienz - Primärenergieverbrauch pro Kopf

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Primärenergie sinkt von 2000 bis 2040 von rund 180 Gigajoule auf nur noch 125 Gigajoule.

Neben der steigenden Energieeffizienz haben auch andere Entwicklungen Einfluss auf den Rückgang des Energieverbrauchs. Dazu zählt zum Beispiel die Verschiebung der wirtschaftlichen Aktivitäten vom Industriesektor hin zum weniger energieintensiven Dienstleistungssektor

Autofahrer sind die Energiespar-Champions

Der Verbrauch an Endenergie nimmt ab. Aber in welchem Sektor sparen die Verbraucher bis 2040 am meisten Energie? Um das herauszufinden, betrachten wir die Entwicklung des Endenergieverbrauchs der verschiedenen Bereiche genauer.

Endenergieverbrauch nach Sektoren

Im Verkehrssektor werden wir in den nächsten Jahrzehnten erheblich effizienter unterwegs sein, egal ob auf der Straße, der Schiene, zu Wasser oder in der Luft. Deswegen geht der Endenergiebedarf in diesem Bereich um fast ein Viertel zurück. Und das, obwohl die Güterverkehrsleistung wächst. So viel Energie wird in keinem anderen Sektor gespart.

22 Prozent

2040 wird im Verkehrssektor 22 Prozent weniger Endenergie verbraucht als 2014.

Nahezu erreicht wird das auch von den Haushalten. Zwar wächst die Wohnfläche insgesamt und auch pro Einwohner, aber trotzdem geht der Bedarf an Energie zum Heizen und Kochen, für Warmwasser und Strom insgesamt um fast 20 Prozent zurück.

Im Industriesektor wird die Energienachfrage wegen der relativ guten Wirtschaftsentwicklung nur leicht um 3 Prozent zurückgehen, obwohl auch in diesem Bereich Effizienzverbesserungen zu erwarten sind.

Anders sieht es im Gewerbesektor aus: Trotz Wirtschaftswachstum kann dieser Bereich seinen Energieverbrauch um immerhin 17 Prozent senken. Das liegt daran, dass hier beispielsweise in Bürogebäuden Möglichkeiten zur besseren Wärmedämmung genutzt werden. Zudem wirken sich stromsparende Beleuchtungstechnik und effizientere Klimaanlagen mindernd auf den Energieverbrauch aus.

Insgesamt benötigen wir im Jahr 2040 fast 15 Prozent weniger Endenergie. Und das bei Wirtschaftswachstum und ohne, dass wir unseren Lebensstandard deshalb einschränken müssten.

Fazit der Energieprognose 2015

Es zeigt sich: Auch wenn wir in Zukunft immer weniger Primärenergie benötigen und die Erneuerbaren in den nächsten 25 Jahren stark wachsen: Erdgas und Mineralöl sind auch morgen noch unverzichtbar.

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