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Fragen und Antworten

Lohnt sich Erdölförderung in Deutschland überhaupt noch? Wieviel Erdöl soll gefördert werden?

Deutschland verfügt weiterhin über erhebliche eigene Erdölreserven, die durch den Einsatz moderner Fördertechnologien wie der Thermalförderung auch in Zukunft wirtschaftlich und langfristig gefördert werden können. Pro Jahr werden über 750.000 Tonnen Reinöl produziert. Der überwiegende Teil wird in Niedersachsen gefördert. Damit wird nennenswert zur Versorgungssicherheit in Deutschland beigetragen.

Im Feld Rühlermoor, einem der größten deutschen Erdölvorkommen, wurden seit den 1950er Jahren von den 100 Millionen Tonnen ursprünglich vorhandenen Reserven bisher 30 Millionen Tonnen produziert, d.h. ca. 30 Prozent. Mit der Fortsetzung und Erweiterung der Thermalförderung im Feld Rühlermoor plant ExxonMobil eine Steigerung der Lagerstättenausbeute auf etwa 50-60 Prozent. Damit kann für rund 30 weitere Jahre Erdöl aus dem Feld Rühlermoor gefördert werden.

Die jährliche Rohölproduktion aus den derzeit aktiven Bohrungen beträgt etwa 185.000 Tonnen. Nach der derzeitigen Planung könnte die jährliche Rohölproduktion auf bis zu 1 Million Tonnen jährlich gesteigert werden.

Wie hoch ist das Investitionsvolumen?

Die interne Entscheidung über die Realisierung des Projektes wird erst nach erteilter behördlicher Genehmigung getroffen und dann wird über die Freigabe der Investitionssumme entschieden.

Entstehen durch das Projekt neue Arbeitsplätze in der Region?

Langfristig dient das Projekt der Standortsicherung des Betriebes Rühlermoor. Es werden daher voraussichtlich keine neuen Arbeitsplätze in größerem Umfang geschaffen.

Was ist das Thermalförderverfahren? Wie soll dieses erweitert werden? Hat der heiße Dampf Auswirkungen an der Oberfläche?

Seit Beginn der 1980er Jahre wird die Ölförderung in Rühlermoor durch die Injektion von 300 °C heißem Wasserdampf, wodurch die Fließeigenschaft des Öls verbessert wird, unterstützt. Ziel des Vorhabens ist es, durch die Erhöhung der Dampfinjektion, d.h. durch den Einsatz von mehr Injektoren bei gleichbleibender Temperatur, weiterhin Öl aus der Lagerstätte fördern zu können und die Förderrate insgesamt zu erhöhen. Die Injektion des heißen Dampfes führt lediglich zu einer lokal begrenzten Erwärmung der umliegenden Lagerstätte. Eine Wärmeeinwirkung auf die Oberfläche ist ausgeschlossen.

Benötigt man durch die Erweiterung der Thermalförderung mehr Frischwasser?

Ganz im Gegenteil, es wird zukünftig gar kein Frischwasser bzw. Grundwasser mehr zur Dampferzeugung benötigt. Im Gegensatz zu heute soll in Zukunft ausschließlich aufbereitetes Lagerstättenwasser verwendet werden, welches als Nebenprodukt der Erdölförderung anfällt.

Wie wird mit dem Lagerstättenwasser verfahren?

Das bei der Erdölförderung produzierte Lagerstättenwasser wird zum Teil aufbereitet und in Form von Wasserdampf bei der Thermalförderung wieder verwendet. Das restliche Lagerstättenwasser wird wieder in die Lagerstätte in einer Tiefe von 1.200 bis 1300 m injiziert. Dieses dient der Druckerhaltung der Lagerstätte und damit der langfristigen Förderbarkeit des Erdöls. Die Injektionsbohrungen werden nordöstlich des Erdölfeldes auf wenigen Plätzen (so genannte „Cluster-Plätze“) gebündelt abgeteuft. Das Lagerstättenwasser wird per Leitung zu den Injektionsbohrungen transportiert.

Warum ist der Bau einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage erforderlich?

Es besteht ein erhöhter Dampf- und Strombedarf durch die Erweiterung der Förderkapazitäten. Dieser Bedarf soll zukünftig über eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK-Anlage) gedeckt werden. KWK-Anlagen sind hocheffiziente Anlagen zur Dampf- und Stromerzeugung mit Nutzungsgraden von über 80 Prozent. Der Brennstoffbedarf wird u.a. durch das im Produktionsbetrieb anfallende Erdölgas gedeckt. Ein Drittel des erzeugten Stroms wird für die Erdölproduktion benötigt, der verbleibende Anteil wird in das öffentliche Netz eingespeist.

Gasturbine KWK-Anlage
Foto — Gasturbine einer KWK-Anlage

Läuft die Erdölförderung auch während der Projektbauphase weiter?

Ja, die Bauphase wird parallel zum unveränderten Betrieb durchgeführt. Lediglich für bestimmte Tätigkeiten wird eine kurzfristige Außerbetriebnahme von Teilbereichen notwendig sein.

In welchem Ausmaß wird das Fördergebiet durch die geplanten Neubohrungen vergrößert?

Die geplanten Neubohrungen befinden sich ausschließlich innerhalb des bestehenden Erdölfördergebietes.

Wird das bestehende Leitungsnetz komplett ersetzt?

Die bestehenden Feldleitungen zum Transport von Öl, Lagerstättenwasser und Erdölgas, mit einer Gesamtlänge von ca. 60 km, werden zum Großteil (ca. 90%) durch neue Leitungen ersetzt; die restlichen Leitungen werden modernisiert, um eine Einbindung der neuen Leitungen zu ermöglichen. Die Breite der für die Verlegung erforderlichen Arbeitsstreifen wird entsprechend ihrer Umgebung angepasst, so dass der Eingriff in Natur und Umwelt minimiert wird.

Wie läuft das Genehmigungsverfahren ab?

Für das Vorhaben, einschließlich aller Tatbestände nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, ist ein Rahmenbetriebsplan gemäß § 52 Abs. 2a Bundesberggesetz vorzulegen, für dessen Zulassung ein Planfeststellungsverfahren mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen ist.

Wie werden Tier- und Naturschutz berücksichtigt?

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens wurde eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellt, die Bestandteil der bei der Aufsichtsbehörde, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, eingereichten Antragsunterlagen ist.

Darin werden die Auswirkungen des Projektes auf die Schutzgüter Menschen einschließlich der menschlichen Gesundheit, Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Klima/Luft, Landschaft und Kultur- und sonstige Sachgüter sowie die Wechselwirkung zwischen den vorgenannten Schutzgütern betrachtet. Darüber hinaus wird eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (saP) gemäß BNatSchG mit dem Rahmenbetriebsplan eingereicht.

Rückgebauter Bohrplatz
Foto — Rückgebauter Bohrplatz mit Torfmoosen, Wollgras und Sonnentau - Bohrung „Rühlermoor 18“

Wie stark werden die Anwohner die geplanten Arbeiten mitbekommen (Lärm, Licht, Nähe zur Bebauung, erhöhter LKW-Verkehr)?

Wie bei jedem Bauvorhaben lassen sich insbesondere während der Bauphase bestimmte Beeinträchtigungen nicht vollständig ausschließen. Im Rahmen der Durchführung der Umweltverträglichkeitsprüfung werden jedoch alle möglichen Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Menschen, die Wohn- und Umfeldfunktion sowie die Erholungsfunktion der Landschaft geprüft werden.

Wird das Fracking-Verfahren angewendet?

Nein, das Fracking-Verfahren findet keine Anwendung, denn: Das Erdölfeld Rühlermoor hat folgenden Aufbau: Die Lagerstätte besteht aus porösem Gestein und das darin befindliche Erdöl ist hochviskos, mit anderen Worten sehr zähflüssig. Insofern kann eine verbesserte Förderung nur mit der Injektion von Dampf und mit einer daraus resultierenden Temperaturerhöhung des Öls erreicht werden, um das Öl dünnflüssiger zu machen. Die Anwendung von Hydraulic Fracturing – auch Fracking genannt – wäre in diesem Fall völlig verfehlt. Denn beim Fracking werden künstliche Fließwege geschaffen und damit die Struktur der Lagerstätte verändert. Die Fließeigenschaft des Öls, also die Viskosität, wird jedoch nicht verändert. Allein dies ist bei der Förderung im Erdölfeld Rühlermoor jedoch entscheidend.

Ist es richtig, dass Sie zukünftig auch horizontale Produktionsbohrungen abteufen werden?

Nein, es wurden weder bisher Horizontalbohrungen im Feld Rühlermoor abgeteuft noch ist dieses für die Zukunft geplant.

Wird durch die Thermalförderung Quecksilber aus dem Untergrund gelöst und an die Oberfläche befördert?

Nein, es kann kein Quecksilber an die Oberfläche befördert werden. Das Element Quecksilber kommt in dieser Lagerstätte nicht vor.

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