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Erdgas als Kraftstoff im Verkehrssektor

Die zunehmende Förderung reichlich vorhandener Erdgasvorkommen in Nordamerika und anderen Weltregionen hat das Interesse an Erdgas als Kraftstoff im Verkehrssektor gesteigert.

Die Wachstumsprognosen für Erdgas im Verkehrssektor weisen je nach Verkehrsträger und Region starke Unterschiede auf.

Weltweit sind die Betreiber schwerer Nutzfahrzeuge am stärksten an Erdgas als Kraftstoff im Verkehrssektor interessiert. Global und insbesondere in der Region Asien-Pazifik ist CNG (Compressed Natural Gas, komprimiertes Erdgas) bereits ein beliebter Kraftstoff für den öffentlichen Busverkehr sowie für Lieferwagen und Müllfahrzeuge. In den USA kostet ein CNG-Lkw rund 30.000 US-Dollar mehr als ein Diesel-Lkw, was sich aber aufgrund der Kosteneinsparungen beim Tanken nach etwa fünf Jahren amortisieren kann.

Für Langstrecken-Lkw wird bevorzugt LNG (Liquefied Natural Gas oder Flüssigerdgas) eingesetzt, weil es eine höhere Energiedichte als CNG besitzt und beim Transport schwerer Lasten mit nur einer Tankfüllung Reichweiten von bis zu 1200 Kilometern ermöglicht. Die Einsparungen bei den Kraftstoffkosten könnten die höheren Investitionskosten für einen LNG-Lkw (70.000–90.000 US-Dollar gegenüber Diesel) innerhalb von drei Jahren ausgleichen.

Bei Pkw liegen in einigen Ländern wegen der Luftverschmutzung in Ballungsräumen oder aufgrund reichlich vorhandener Erdgasvorräte Bedingungen vor, die CNG-Fahrzeuge gegenüber solchen für raffinierte Erdölprodukte begünstigen. Zu diesen Ländern gehören Argentinien, Brasilien, der Iran, Pakistan und Indien, auf die zusammengenommen rund 80 Prozent der CNG-Pkws weltweit entfallen.

ExxonMobil geht allerdings davon aus, dass Erdgas außerhalb dieser Länder nur geringe Bedeutung als Kraftstoff für Pkw gewinnen wird. Die Preise für Erdgas sind zwar niedriger als die Benzinpreise, aber die Kraftstoffkosten sind ja nur ein Faktor für die Entscheidung, die ein Verbraucher beim Fahrzeugkauf trifft. Ein anderer Faktor sind zum Beispiel die Anschaffungskosten, die bei einem mit Erdgas betriebenen Fahrzeugen deutlich höher sind.

In den USA kosten CNG-Fahrzeuge heute rund 8.000 Dollar mehr als vergleichbare Benzinautos. Der Kraftstoffverbrauch von CNG-Fahrzeugen ist vergleichbar mit dem gewöhnlicher Benzinmotoren, sodass sich der höhere Kaufpreis bei einem Durchschnittsfahrer erst nach mehr als fünf Jahren amortisieren würde.

Verbraucher, die Kraftstoffkosten sparen wollen, entscheiden sich eher für Hybridfahrzeuge, die zwar etwas teurer als herkömmliche Fahrzeuge sind, aber viel weniger Kraftstoff verbrauchen. Auch ist die Reichweite von CNG-Fahrzeugen niedriger – um bis zu 40 Prozent geringer als bei vergleichbaren Fahrzeugen mit flüssigen Kraftstoffen –, weil CNG eine niedrigere Energiedichte hat und ein ausreichend großer Kraftstofftank manchmal nur schwer in ein Auto passt.

Eine weitere Hürde für die Verbreitung erdgasbetriebener Fahrzeuge ist die begrenzte Tankstellen-Infrastruktur. Flotten, die täglich wieder an ihren Heimatstandort zurückkehren, können wirtschaftliche Vorteile aus einer einzigen, stark genutzten CNG-Tankstelle ziehen. Lkw, die auf etablierten Langstrecken fahren, haben ebenfalls Potential für stark genutzte und damit wirtschaftliche Autogas-Tankstellen.

Schwierig gestaltet sich der Aufbau einer Versorgungsinfrastruktur für Pkw mit einem großen Netz leicht zugänglicher Tankstellen, insbesondere wegen der kürzeren Reichweite erdgasbetriebener Fahrzeuge. In den USA bieten nur rund 1 Prozent aller Tankstellen Erdgas an. Zu Hause zu tanken ist eine Möglichkeit, aber eine entsprechende Anlage kann bis zu 4.000 US-Dollar kosten.

Letzten Endes werden die Verbraucher – Privatpersonen wie Unternehmen – ihre Bedürfnisse und die Kosten der einzelnen Alternativen abwägen, wenn sie eine Entscheidung über Erdgas als Kraftstoff fällen. Die Märkte werden entscheiden, welche Verkehrssektoren am meisten von Erdgas profitieren können, und um diese Märkte wird eine entsprechende Tankstellen-Infrastruktur entstehen.

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