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Globaler Ist-Zustand

Wie wird der Energiebedarf der Welt 2040 und darüber hinaus aussehen?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man zunächst die Einflussfaktoren analysieren, die die langfristigen Energietrends in den Ländern der Welt prägen. Zu diesen Faktoren gehören Bevölkerungswachstum, demografische Veränderungen und Wirtschaftswachstum.

Bis 2040 werden China, Indien und andere Nicht-OECD-Länder – Heimat von sieben Achteln der Weltbevölkerung – wohl viel mehr Energie für ihre wirtschaftliche Entwicklung und die Steigerung des Lebensstandards benötigen. Gleichzeitig werden die USA, Europa und andere OECD-Staaten trotz weiteren Wirtschaftswachstums insgesamt weniger Energie verbrauchen und ihre Emissionen senken.

Überall in der Welt erwarten wir eine Steigerung der Energieeffizienz und die zunehmende Deckung des Bedarfs durch sauberere Energieträger. Diese Verbesserungen werden zum Teil dadurch erreicht, dass Regierungen und Verbraucher ihren Energiebedarf decken, aber gleichzeitig den Risiken des Klimawandels begegnen wollen.

Der weltweite Energiebedarf wird von vielen Faktoren bestimmt, aber die beiden wichtigsten sind Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum.

Bis 2040 wird die Weltbevölkerung von heute rund 7,2 Milliarden auf 9 Milliarden Menschen angestiegen sein und die Weltwirtschaftsleistung sich mehr als verdoppelt haben. Dieses Wachstum wird eine höhere Nachfrage nach erschwinglicher, verlässlicher Energie mit sich bringen – Energie für Wohnungen, Verkehr, Wirtschaft und Industrie.

Der weltweite Energiebedarf wird zwischen 2014 und 2040 voraussichtlich um etwa 25 Prozent steigen. Dies ist ein gewaltiger Anstieg, der jedoch noch weitaus höher ausfallen würde (mehr als 110 Prozent), wenn wir nicht stark verbesserte Energieeffizienz in allen Nachfragesektoren erwarten würden.

In China und Indien steigt der Energiebedarf am stärksten

Weltweit wird der Energiebedarf voraussichtlich um 25 Prozent steigen; allerdings können die globalen Gesamtzahlen irreführend sein, weil es von Land zu Land große Trendunterschiede gibt. Wir gehen davon aus, dass der Gesamt-Energiebedarf in einigen reifen Volkswirtschaften bis 2040 netto sinken wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir der Auffassung, dass man die Zukunft der Energie am besten verstehen kann, indem man drei verschiedene Ländergruppen betrachtet:

  • China und Indien. 2040 wird Indien mit 1,6 Milliarden Menschen China als bevölkerungsreichstes Land überholt haben. China und Indien sind unter den Entwicklungsländern auch bei der Erhöhung des Lebensstandards und der Umsetzung technologischer Verbesserungen führend. Beide Nationen beginnen damit, bei den Themen Energie und Klimawandel erste zusätzliche politische Maßnahmen zu ergreifen. Auf China und Indien zusammen wird nach unserer Auffassung knapp die Hälfte des prognostizierten Anstiegs des weltweiten Energiebedarfs bis 2040 entfallen.
  • Eine Gruppe der 10 wichtigsten Wachstumsländer, deren steigende Bevölkerungszahlen und Lebensstandards zu einer starken Zunahme des Energiebedarfs führen werden. Zu dieser Gruppe gehören Brasilien, Mexiko, Südafrika, Nigeria, Ägypten, die Türkei, Saudi-Arabien, der Iran, Thailand und Indonesien. Diese 10 Nationen vereinen rund 30 Prozent des prognostizierten Energiebedarfanstiegs bis 2040 auf sich.
  • Die OECD32 ist eine Gruppe von Industrienationen, zu denen die USA und alle anderen OECD-Mitglieder mit Ausnahme von Mexiko und der Türkei zählen, die wir zu den wichtigsten Wachstumsländern zählen. Diese Volkswirtschaften genießen bereits einen relativ hohen Lebensstandard und setzen verbreitet moderne Technologien ein; sie werden voraussichtlich in einem relativ gemäßigten Tempo wachsen und ihre Bevölkerungszahlen stabil halten. Die gesetzlichen Vorschriften zur Erhöhung der Effizienz und zur Begrenzung von Emissionen der OECD32-Nationen gehören zu den aggressivsten der Welt. Der Energiebedarf in der Gruppe der OECD32 wird zwischen 2014 und 2040 voraussichtlich um 5 Prozent zurückgehen.

Bevölkerung und Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind zwar verlässliche Indikatoren für den Energiebedarf eines Landes, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Wir müssen auch die Menschen selbst berücksichtigen. Sind sie jung oder alt? Arm oder reich? Leben sie in modernen Städten oder auf dem Land? Die Antworten auf diese Fragen helfen zu prognostizieren, wie stark die Wirtschaft eines Landes wachsen wird und wie viel Energie ihre Bürger brauchen werden.

Langfristige Trends bei Demografie, Produktivität und Einkommen

Länder mit einem relativ hohen Anteil an Einwohnern im erwerbsfähigen Alter (15 bis 64 Jahre) haben tendenziell ein größeres Wirtschaftswachstum, wenn es in diesen Volkswirtschaften ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten gibt.

Eine relativ große Gruppe im erwerbsfähigen Alter ist ein wichtiger Faktor für das künftige Wirtschaftswachstum in Indien, in der Gruppe der wichtigsten Wachstumsländer und in anderen Entwicklungsländern. Dagegen ist eine alternde Bevölkerung eine ständige Herausforderung für das Wirtschaftswachstum in den OECD32 Ländern. Die Überalterung der Bevölkerung wird auch das potenzielle Wachstum in China beeinflussen. 2040 werden mehr als 20 Prozent der chinesischen Bevölkerung 65 Jahre alt oder älter sein, während es heute nur 9 Prozent sind.

Aber für Menschen und Familien überall auf dem Globus hat das Einkommen die größte Bedeutung – und der Lebensstandard, den dieses Einkommen ermöglicht. Ein einfaches Maß für das Einkommen ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Bis 2040 wird das BIP pro Kopf weltweit ansteigen mit den größten Zuwächsen in den Nicht-OECD-Ländern, insbesondere in China und Indien. Bis 2040 wird sich das Pro-Kopf-Einkommen in China und Indien gegenüber heute voraussichtlich verdreifachen; in den wichtigsten Wachstumsländern wird es im Durchschnitt doppelt so hoch sein.

Aufgrund dieser steigenden Einkommen erwarten wir die größte Expansion der globalen Mittelschicht in der Menschheitsgeschichte. Die Brookings Institution schätzt, dass die Anzahl der Menschen, die genug verdienen, um zur Mittelschicht zu gehören, von etwas mehr als 2 Milliarden 2014 auf rund 5 Milliarden 2030 ansteigen und ein Großteil dieses Wachstums auf Indien und China entfallen wird.

Gleichzeitig erleben China, Indien und andere Entwicklungsländer eine kontinuierliche Urbanisierung, wie sie in den entwickelten Industrienationen im 20. Jahrhundert stattfand. Bis 2040 werden annähernd 65 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, heute sind es nur knapp 55 Prozent.

Diese Veränderungen in den Entwicklungsländern werden sich voraussichtlich stark auf den Energiebedarf auswirken. Mit dem Aufstieg in die Mittelschicht und dem Umzug vom Land in die Stadt steigt der Pro-Kopf-Verbrauch an moderner Energie in der Regel rapide an. Dieser Anstieg ist durch eine große Vielfalt an Energieverbrauchern bedingt – von Kühlschränken über Autos und Bürogebäude bis zur Energie, die zur Herstellung von Konsumgütern benötigt wird.

 

Dynamik von Weltwirtschaft und Energiemarkt in der näheren Zukunft

2009 erlebte die Weltwirtschaft die schlimmste globale Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Abgesehen von einem kurzen Aufschwung 2010 erholt sich die Wirtschaft in den verschiedenen Regionen der Welt seither nur schleppend und ungleichmäßig. Aktuell gibt es begrenzte Anzeichen für eine Verbesserung in den entwickelten Volkswirtschaften, allen voran in den USA. Jedoch gibt es auch wirtschaftlichen Gegenwind, wie etwa ein geringeres Wirtschaftswachstum in China und sinkende Verkaufspreise für Rohstoffe einschließlich Energie, von denen viele Volkswirtschaften in den Entwicklungsländern abhängig sind.

Zeiten wie diese machen uns bewußt, wie Energie und Wirtschaft miteinander verwoben sind. In der vorindustriellen Zeit schränkte der fehlende Zugang zu moderner Energie das Wirtschaftswachstum und den Lebensstandard ein. In einigen weniger entwickelten Ländern ist dies leider auch heute noch der Fall. Aber in einem Großteil der Welt bringt moderne Energie die Wirtschaft und die Gesellschaft voran. Gleichzeitig ergibt sich aus dem Auf und Ab der Weltwirtschaft eine unvermeidliche Rückkopplung zum Energiemarkt. Diese Zyklen sind die Norm, nicht die Ausnahme.

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