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Die zukünftige Energieversorgung sicherstellen

Unsere Energieoptionen waren noch nie so reichlich und vielfältig wie heute.

Dank energietechnischer Fortschritte haben wir heute Zugang zu Schiefergas und Tight-Öl in Nordamerika, Flüssigerdgas im Nahen Osten, Öl in den Tiefseeölfeldern vor der Küste Afrikas sowie einer Vielfalt an Windkraft- und Solarenergieanlagen. Wachsende Kapazitäten beim Transport von Energie zwischen Ländern rund um die Welt trägt ebenfalls zu einer größeren Auswahl und Sicherheit der Energiequellen bei.

Für die Deckung des steigenden Energiebedarfs werden bis 2040 alle Energiequellen der Welt benötigt. Bis dahin wird  es eine Marktverschiebung hin zu saubereren Energieträgern, insbesondere Erdgas, geben. Öl bleibt die Hauptenergiequelle der Welt, da es für den Verkehr und die chemische Produktion unverzichtbar ist.

Infolge des technologischen Fortschritts und der laufenden Entwicklungserfolge der in der Energiebranche arbeitenden Menschen verfügt die Welt heute über ein reichhaltigeres Angebot und eine größere Auswahl an Energiequellen als je zuvor.

Energieproduzenten entdeckten zum Beispiel erst in diesem Jahrhundert, wie sie die riesigen Vorkommen an Schieferöl und Schiefergas, von denen man bereits wusste, dass sie in Schiefergestein und anderen dichten Gesteinsformationen vorkommen, erschließen konnten. Bis 2040 werden diese unkonventionellen und andere durch neue Technologien förderbare Öl- und Gasquellen voraussichtlich ein Fünftel des weltweiten Energiebedarfs decken.

Alle technisch und wirtschaftlich nutzbaren Energiequellen, ob konventionell oder unkonventionell, werden für die Deckung des steigenden globalen Energiebedarfs benötigt. 2014 verbrauchte die Weltwirtschaft etwa 550 Billiarden British Thermal Units (BTU) – das entspricht über 45 Milliarden Liter Benzin pro Tag. Und der Bedarf wird bis 2040 voraussichtlich um weitere 25 Prozent steigen, weil die Auswirkungen von wachsender Bevölkerung und steigendem Lebensstandard die durch eine höhere Effizienz ermöglichten Energieeinsparungen mehr als kompensieren werden.

Öl, Erdgas und Kohle – die drei Energiequellen, die die moderne Wirtschaft gemeinsam geschaffen haben – werden bis 2040 weiterhin fast 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs decken. Diese Energien sind zuverlässig, erschwinglich, vielseitig,  gut zu transportieren und haben eine hohe Energiedichte.

Allerdings wird das gesellschaftliche und politische Streben, die Risiken des Klimawandels anzugehen, wird voraussichtlich wesentliche Veränderungen in der globalen Energieversorgung mit sich bringen, da Verbraucher Energiequellen mit geringerem CO2-Ausstoß bevorzugen werden.

Öl wird weiterhin die Hauptenergiequelle sein, Erdgas rückt auf den zweiten Platz

Wir erwarten, dass Öl weiterhin weltweit die größte Energiequelle bleiben wird, weil es für den Verkehr und als Rohstoff für die petrochemische Industrie unverzichtbar ist. Die weltweite Nachfrage nach Öl und anderen flüssigen Brennstoffen wird zwischen 2014 und 2040 voraussichtlich um 20 Prozent steigen.

Kohle, die derzeit weltweit zweitgrößte Energiequelle, wird etwa 2025 ihren Höhepunkt erreichen und danach zurückgehen. Dieser Rückgang wird von den Sektoren Industrie- und Stromerzeugungs angeführt, da Unternehmen ihre Energieeffizienz verbessern und auf Brennstoffe mit geringerem CO2-Ausstoß umsteigen werden. Bis 2040 wird Kohle nur noch 20 Prozent des weltweiten Energiebedarfs decken, weniger als die 25 Prozent des Jahres 2014.

Für Erdgas wird jedoch ein schnelles Wachstum prognostiziert –in etwa einem Jahrzehnt wird Erdgas Kohle überholt haben. Wir erwarten, dass 40 Prozent des prognostizierten Anstiegs beim weltweiten Energiebedarf von 2014 bis 2040 durch Erdgas gedeckt werden.

Erdgas ist ein vielseitiger Energieträger, der überall eingesetzt werden kann, von Stromgeneratoren über Industrieöfen und Warmwasser-Haushaltsgeräte bis hin zum Antrieb von Lieferwagen. Erdgas ist reichlich vorhanden und bringt in Bezug auf Luftqualität und CO2-Emissionen eine weitaus bessere Leistung als Kohle. Die weltweite Nachfrage nach Erdgas wird zwischen 2014 und 2040 voraussichtlich um 50 Prozent steigen.

Kernkraft und erneuerbare Energien verzeichnen starkes Wachstum

Kernkraft ist in vielen Ländern eine etablierte Energiequelle und deckt heute etwa 10 Prozent des weltweiten Strombedarfs.

Weil Kernkraftwerke zuverlässig Strom liefern und dabei kein CO2 emittieren, und der Ausbau der Kernkraft den Ländern eine Diversifizierung ihrer Energieversorgungsquellen ermöglicht, erwarten wir für die Kernkraft in den kommenden Jahrzehnten ein starkes Wachstum. Der Bedarf an Kernenergie wird sich von 2014 bis 2040 voraussichtlich verdoppeln, wobei die Hälfte dieses Wachstums auf China entfällt.

Erneuerbare Energien wie Windkraft, Solarenergie und Biokraftstoffe werden ebenfalls ein rasches Wachstum verzeichnen. Das Volumen dieser Energieträger wird sich von 2014 bis 2040 weltweit mehr als verdreifachen. Das größte Wachstum ist bei der Windenergie zu erwarten, die 2040 voraussichtlich etwa 2 Prozent des weltweiten Energiebedarfs und fast 10 Prozent des Strombedarfs decken wird. Kernenergie und erneuerbare Energien werden von 2014 bis 2040 voraussichtlich fast 40 Prozent des Anstiegs beim weltweiten Energiebedarf ausmachen.

Wachsender globaler Energiehandel hilft Verbrauchern

Zusätzlich zum Ausbau der Energiequellen wird auch der Energiehandel unter den verschiedenen Regionen der Welt permanent erweitert. Ein Großteil dieses Wachstums ist mit dem Ausbau des globalen LNG-Netzwerks verbunden. Dieses Netzwerk umfasst Verflüssigungsanlagen, Tanker und Regasifizierungsterminals und sorgt dafür, dass das reichlich vorhandene Erdgas alle Märkte der Welt erreicht.

Bis 2040 wird der weltweite Öl- und Gasexport in den asiatisch-pazifischen Raum das größte Wachstum verzeichnen, da der dortige Energiebedarf voraussichtlich weitaus schneller als die lokale Produktion steigen wird. Die Tatsache, dass mehrere Regionen sowohl Importeure als auch Exporteure von Erdgas sein werden, unterstreicht die wichtige Rolle, die der Handel bei der Optimierung der Energieflüsse auf einem globalen Markt spielt.

Öl

Seit der ersten modernen Erdölbohrung vor mehr als 150 Jahren in Pennsylvania hat sich dank des technologischen Fortschritts die weltweiten Vorräte an Erdöl und anderen flüssigen Brennstoffen kontinuierlich erhöht.

Die weltweite Fördermenge von Erdöl wird Schätzungen zufolge von 93 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2014 bis 2040 auf 112 Millionen Barrel pro Tag ansteigen und so mit dem prognostizierten Anstieg der weltweiten Nachfrage um 20 Prozent Schritt halten. Sowohl Nicht-OPEC- als auch OPEC-Länder werden voraussichtlich wichtige Rollen bei der Deckung des zusätzlichen Bedarfs spielen.

Während konventionelle Erdöllagerstätten weiterhin den Großteil der weltweiten Förderung ausmachen, erwarten wir, dass das größte Wachstum bis 2040 aus Quellen, die mit moderner Technologie erschlossen werden, wie Tight-Öl, Natural Gas Liquids (NGL), Ölsande und Tiefseeförderung stammen wird. Diese Vorkommen werden voraussichtlich bis 2040 etwa 40 Prozent der globalen Erdölförderung decken, eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber 2014.

Die Förderung aus konventionellen Ölfeldern wird bis 2040 zurückgehen und hauptsächlich durch einen Anstieg der Erschließung konventioneller Ölfelder mit neuen Technologien ausgeglichen werden. Die Erschließung herkömmlicher Quellen für Erdöl und Kondensat wird 2040 fast 30 Prozent der globalen Erdölförderung ausmachen.

Deutliches Wachstum bei Tight-Öl

Noch vor zehn Jahren war das in Schiefergestein und anderen dichten Gesteinsformationen vorkommende Tight-Öl kaum im Gespräch. Bis 2040 wird erwartet, dass es 10 Prozent der weltweiten Erdölförderung ausmachen wird.

Überwiegend kommt  Tight-Öl aus Nordamerika, dem Entstehungsort der Tight-Öl -Industrie. Amerikanische Produzenten begannen 2010 die bisher für Schiefergas eingesetzte Technik – darunter Horizontalspülbohrungen und Fracking – für die Tight-Öl-Lagerstätten anzuwenden. Der Erfolg dieses Vorgehens zeigte sich in einem Anstieg der US-Erdölproduktion von 75 Prozent seit 2010.

In den letzten Jahren wurden bei Tight-Öl maßgebliche Verbesserungen bei der Förderung und Bohreffizienz erzielt,  es ist heute eine etablierte, global wettbewerbsfähige Erdölquelle. Im Gegensatz zu herkömmlichen oder komplexeren Projekten kann die Tight-Ölförderung relativ schnell an sich ändernden Bedarf angepasst werden.

Erdgaskondensat (NGL), Tiefseebohrungen, Ölsande gewinnen ebenfalls Marktanteile

Bis 2040 ist ein deutlicher Anstieg in der NGL-Produktion zu erwarten. Da NGL in Verbindung mit Erdgas gefördert wird, erhöht sich aufgrund der steigenden Erdgasförderung auch der NGL-Vorrat, vor allem wegen der Schiefergasproduktion in Nordamerika. NGL wird voraussichtlich bis 2040 etwa 15 Prozent der globalen Flüssigbrennstoffförderung decken, eine Steigerung von 10 Prozent gegenüber 2014.

Die Tiefseeförderung wird ab 2014 voraussichtlich um etwa 70 Prozent steigen mit einer weltweiten Fördermenge von mehr als 10 Millionen Barrel pro Tag bis 2040. Wichtige Tiefseelagerstätten befinden sich in Angola, Brasilien, Nigeria und im US-seitigen Golf von Mexiko.

Auch die Förderung von Vorkommen aus Ölsänden wird sich erhöhen. Bis 2040 wird die Ölsandproduktion voraussichtlich auf knapp 7 Millionen Barrel pro Tag ansteigen, in etwa die 2,5-Fache Menge des Jahres 2014.

Nordamerika könnte sich zum Ölexportland entwickeln

Mit der wachsenden Ölförderung nimmt  auch der internationale Ölhandel zu. Etwa die Hälfte des weltweiten Ölbedarfs wird auch künftig durch den internationalen Handel gedeckt werden. Für Verbraucher sind das positive Nachrichten. Ein robustes globales Handelsnetz sorgt für einen reibungslosen Fluss der Ölversorgung und ermöglicht so eine effiziente und kostengünstige Deckung der Ölnachfrage. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass einige Länder je nach ihrem jeweiligen Mix an Förder- und Raffineriekapazitäten im Bereich flüssiger Energieträger sowohl Importeure als auch Exporteure sein können.

Bis 2040 wird es wahrscheinlich wesentliche Verschiebungen in der globalen Handelsbilanz geben. Eine der größten Verschiebungen wird Nordamerika (Vereinigte Staaten und Kanada)betreffen, wo sich die Förderung von Tight-Öl, Ölsänden und NGL bis 2040 um fast 40 Prozent erhöhen wird. Nordamerika war jahrzehntelang ein Ölimporteur, wird sich aber bis etwa 2020 zum Nettoexporteur entwickeln. Die Vereinigten Staaten sollten in der Lage sein, bis etwa 2025 ein Nettoexporteur von Erdöl zu werden.

Auch im asiatisch-pazifischen Raum ist eine größere Verschiebung zu erwarten. Heute ist die Region Asien-Pazifik ist bereits der weltgrößte Ölimporteur. Die Nettoimporte werden in dieser Region zwischen 2014 und 2040 voraussichtlich um über 50 Prozent ansteigen, da die Inlandsproduktion unverändert bleibt, während bei steigendem Wohlstand der Bedarf an Öl für Verkehr und andere Zwecke steigt.

In den anderen Regionen der Welt sehen wir weniger drastische Verschiebungen voraus. Europa wird weiterhin die zweitgrößte Ölimportregion bleiben, da bis 2040 voraussichtlich 75 Prozent des Bedarfs durch Importe gedeckt werden. Der Nahe Osten wird seine Führungsposition als weltweit größter Ölexporteur durch eine den Bedarf übersteigende Förderung weiterhin ausbauen. Die Region Russland/Kaspisches Meer wird voraussichtlich weiterhin die Position des zweitgrößten Ölexporteurs einnehmen. In Afrika erwarten wir einen wesentlichen Anstieg des Erdölbedarfs bei etwa gleichbleibendem Vorrat. Infolgedessen wird ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dort erst etwa 2040 erreicht werden.

Die Größenordnung der globalen Energievorräte ist enorm

Technologie erhöht nicht nur unsere tägliche Ölproduktion, sondern sorgt auch für größere Mengen an Ölressourcen, auf die wir in Zukunft zählen können.

Laut Schätzung der IEA sind die 1981 laut Angaben des U.S. Geological Survey insgesamt verbleibenden förderbaren Rohöl- und Kondensatressourcen von etwa 1 Billion Barrel heute auf etwa 4,5 Billionen Barrel gestiegen – eine ausreichende Menge für die Deckung des globalen Bedarfs weit über das 21. Jahrhundert hinaus. Trotz eines Anstiegs der globalen Ölbnachfrage um 20 Prozent werden die bis 2040 verbleibenden Ressourcen weitaus höher sein als die Gesamtproduktion vor 2040.

Eine enorme technische Herausforderung ist es jedoch, die globalen Energievorräte bereitzustellen, womit auch enorm hohe Investitionen verbunden sind. Von den ca. 750 Milliarden US-Dollar , die laut Schätzungen der IEA jährlich für die Öl- und Erdgasproduktion erforderlich sind, werden fast 85 Prozent allein für die Aufrechterhaltung der aktuellen Fördervolumen benötigt. Doch die globale Öl- und Gasindustrie stellt laufend unter Beweis, dass sie durch Investitionen und Innovationen mit dem globalen Energiebedarf Schritt halten kann.

Erdgas

Die globale Nachfrage nach Erdgas wird von 2014 bis 2040 um 50 Prozent ansteigen – weitaus schneller als bei den meisten anderen Energieträgern und doppelt so schnell wie beim Erdöl.

Ein Grund dafür ist seine Vielseitigkeit. Mit Erdgas können Generatoren für die Stromerzeugung betrieben werden, es kann aber genaus direkt in Haushalten, in Büros und Fabriken genutzt werden. Erdgas kommt auch zunehmend als Kraftstoff für Lastkraftwagen und Schifffahrt zum Einsatz.

Ein weiterer Grund für das schnelle Wachstum des Erdgasbedarfs ist der relativ geringe Kohlenstoffgehalt, was sich positiv auf die Anstrengungen zur Einschränkung der CO2-Emissionen, vor allem im Stromsektor, auswirkt. Erdgas emittiert bei der Verbrennung bis zu 60 Prozent weniger CO2 als Kohle, dem derzeit weltweit am häufigsten verwendeten Brennstoff für die Stromerzeugung. Der Bedarf an Erdgas wird voraussichtlich in allen Regionen der Welt steigen.

Erdgasressourcen: reichlich vorhanden und geografisch gut verteilt

Die Welt verfügt über große Erdgasvorräte. Mittels der heute verfügbaren Technologien – einschließlich jener, mit denen vor kurzem Schiefergas erschlossen wurde – würden die technisch förderbaren Erdgasvorkommen laut Schätzungen der IEA auf Basis der aktuellen Nachfrage für mehr als 200 Jahre ausreichen. Bis 2040 werden voraussichtlich nur etwa 25 Prozent der insgesamt erschließbaren Erdgasvorkommen gefördert worden sein, sodass 75 Prozent für die Deckung des langfristigen Bedarfs verbleiben.

Erdgas ist geographisch gut verteilt. Laut Schätzungen der IEA verfügen die Regionen Nordamerika, Lateinamerika, Russland/Kaspisches Meer, der asiatisch-pazifische Raum, der Nahe Osten und Afrika jeweils über mindestens 10 Prozent der verbleibenden Erdgasressourcen. In Bezug auf die Produktion wird jede Region außer Europa bis 2040 Wachstum verzeichnen. Das größte Wachstum wird in Nordamerika erwartet. Dort soll die Förderung aufgrund von unkonventionellem Erdgas voraussichtlich um 65 Prozent ansteigen.

Unkonventionelles Erdgas verändert die Versorgungssituation

Unkonventionelle Erdgaslagerstätten haben das Gesamtbild der Energieversorgung in Nordamerika drastisch verändert. Wir erwarten, dass bis 2040 unkonventionelles Erdgas fast 90 Prozent der nordamerikanischen Erdgasproduktion ausmachen wird.

Unkonventionelle Vorkommen – einschließlich Schiefergas, Tight-Gas, Kohleflözgas und Coal-to-Gas (CTG) – werden auch in anderen Regionen Auswirkungen haben, z. B. im asiatisch-pazifischen Raum, wo bis 2040 ein Drittel der Produktion aus unkonventionellen Lagerstätten stammen wird. Insgesamt 60 Prozent des prognostizierten Anstiegs beim globalen Erdgasbedarf wird durch unkonventionelle Vorräte gedeckt werden, hauptsächlich aus Nordamerika, aber auch aus dem asiatisch-pazifischen Raum, für den 20 Prozent Wachstum in unkonventioneller Förderung prognostiziert wird.

Konventionell gefördertes Erdgas wird voraussichtlich weiterhin ein Pfeiler der Energieversorgung bleiben und 2040 zwei Drittel des globalen Bedarfs decken. Ein Großteil des für 2040 prognostizierten 25 prozentigen Anstiegs in der konventionellen Produktion wird aus den Regionen Russland/Kaspisches Meer, Naher Osten und Afrika stammen. Von besonderem Interesse ist Afrika, da sich die konventionelle Erdgasförderung dort mehr als verdoppeln wird, was vor allem auf die Erschließung der ostafrikanischen Ressourcen zurückzuführen ist.

Welthandel, LNG-Bedarf steigt

Der interregionale Handel wird eine wichtige Rolle bei der Deckung des Erdgasbedarfs bis 2040 spielen. Das gilt vor allem für den asiatisch-pazifischen Raum, wo die Nachfrage am schnellsten steigt.

Fast die Hälfte des globalen Gasbedarfs bis 2040 wird voraussichtlich durch den interregionalen Handel, hauptsächlich mit LNG (Liquefied Natural Gas – verflüssigtes Erdgas), gedeckt werden. Bis zum ersten LNG-Transport und der Eröffnung von LNG-Empfangsterminals 1964 war der interregionale Handel auf die durch Pipelines verbundenen Gebiete beschränkt. Bei LNG wird Erdgas durch Superkühlung verflüssigt und kann somit auf sichere Weise mit Tankschiffen an Empfangsterminals in der ganzen Welt transportiert werden. LNG-Exporte werden sich bis 2040 fast verdreifachen auf ein Gesamtvolumen von fast 100 Milliarden Kubikfuß pro Tag. Ein Großteil dieses LNG wird in den asiatisch-pazifischen Raum verschifft werden. Bis 2040 werden fast 50 Prozent des Erdgasbedarfs im asiatisch-pazifischen Raum durch LNG gedeckt werden, das sind 35 Prozent mehr als im Jahr 2014.

Bedeutende neue LNG-Exportvolumen werden aus den Vereinigten Staaten, Ostafrika und Australien erwartet. Doch aufgrund der reichlich vorhandenen globalen Erdgasressourcen und zahlreicher aufstrebender Erdgasexporteure wird der LNG-Markt weiterhin sehr wettbewerbsintensiv sein. Wir schätzen, dass Niedrigpreise ein ausschlaggebender Faktor für die Entstehung neuer LNG-Quellen sein werden, vor allem in der zweiten Hälfte des Prognosezeitraums, wenn sich die Kapazitäten erhöhen.

Interregionale Pipelineexporte werden ebenfalls wachsen. Von 2014 bis 2040 wird ein Anstieg um etwa 70 Prozent auf ca. 40 Milliarden Kubikfuß pro Tag prognostiziert. Der Großteil dieses Wachstums wird in der Region Russland/Kaspisches Meer erwartet, die sowohl Europa als auch Asien versorgt. Europas Abhängigkeit von Importen wird sich mit der abnehmenden Eigenproduktion erhöhen.

Steigende Erdgasimporte im asiatisch-pazifischen Raum zur Deckung der wachsenden Nachfrage

Angesichts einer großen, zunehmenden Bevölkerung und eines raschen Wirtschaftswachstums wird sich der Erdgasbedarf im asiatisch-pazifischen Raum enorm erhöhen und sich von 2014 bis 2040 verdoppeln.

Mit dem steigenden Bedarf wird der asiatisch-pazifische Raum zunehmend von Erdgasimporten abhängig werden. Bis 2040 wird diese Region voraussichtlich mehr als 40 Prozent ihres Erdgases aus anderen Regionen beziehen und wahrscheinlich Europa als größter Nettoimporteur von Erdgas überholt haben. Interessanterweise wird der asiatisch-pazifische Raum trotz seines stark wachsenden Erdgasbedarfs bis 2040 wahrscheinlich weiterhin die Region mit dem niedrigsten Anteil an Erdgas in ihrem gesamten Energiemix bleiben.

Nordamerika entwickelt sich zum Erdgasexporteur

Während Asiens Importbedarf steigt, sieht die Lage Nordamerikas ganz anders aus. Vor zehn Jahren plante Nordamerika den Import großer Mengen an Erdgas für die Deckung seines steigenden Bedarfs. Doch mit dem Beginn der Schiefergasförderung hat sich dieses Bild im Verlauf des letzten Jahrzehnts verändert.

Ab 2016 wird Nordamerika mit dem Export von verflüssigtem Erdgas aus seinen neu erbauten LNG-Exportterminals beginnen.   Nordamerika wird bis 2040 die Regionen asiatisch-pazifischer Raum, Afrika und Naher Osten überholt haben und zum weltweit zweitgrößten Erdgasexporteur aufsteigen. Russland mit der kaspischen Region wird der weltgrößte Erdgasexporteur bleiben, sein Exportvolumen wird sich aufgrund des Wachstums in den Bereichen LNG und Pipelineexport mehr als verdoppeln.

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