Klaus Torp: „Unser Ziel ist es, ein guter Nachbar zu sein“

Im Frühjahr 2019 startete ExxonMobil mit der Explorationsbohrung Greetsiel Süd Z1. Dass die Bohrung in rund 4000 Metern Tiefe kein Erdgas angetroffen hat, stand kurze Zeit später fest. Aktuell wird der Betriebsplatz, einschließlich der Beton- und Asphaltversiegelung, zurückgebaut und anschließend der ursprünglichen Nutzung wieder zur Verfügung gestellt.

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Klaus Torp: „Unser Ziel ist es, ein guter Nachbar zu sein“

Im Gespräch mit der Emder Zeitung blickt Klaus Torp, Pressesprecher von ExxonMobil, auf das Projekt zurück. Das Interview ist am 17. Juli erschienen und hier in voller Länge nachzulesen. 

 

Welchen Stellenwert hatte die Bohrung in Pewsum im Konzern mit anderen Vorhaben?

Klaus Torp: Für ExxonMobil Deutschland hatte die Bohrung als einzige Explorationsbohrung 2019 einen wichtigen Stellenwert. Die erwartete Förderrate betrug circa 20.000 Kubikmeter pro Stunde. Mit der erwarteten Produktion aus der Bohrung hätten alle Haushalte der Gemeinde Krummhörn allein rund 20 Jahre mit Erdgas versorgt werden können. 

Wie ordnet das Unternehmen die Bohrung ein?

Die Bohrung Greetsiel Süd Z1 in Pewsum hatte einen Anteil von 17 Prozent an allen Explorationsbohrmetern in 2019 beziehungsweise neun Prozent an der gesamten Bohrmeterleistung 2019 in Deutschland (43 416 Meter). Und nicht zu vergessen: Sie war im vergangenen Jahr mit knapp 4000 Metern die tiefste Bohrung. 

Wie oft kommt es für das Unternehmen weltweit vor, dass die Arbeiten ergebnislos abgebrochen werden?

Ich kann Ihnen keine Zahl von „fehl“ gegangenen Bohrungen bei uns im Konzern nennen. Fakt ist, dass das Risiko von wirtschaftlicher Nichtfündigkeit bei Bohrungen trotz sehr sorgfältiger Analyse und technischer Untersuchungen im Vorfeld immer besteht und leider wie in diesem Fall auch eintreten kann. Bei der Kapitalintensität des Bohrgeschäftes ein durchaus signifikantes Risiko. Deshalb müssen - ganz einfach gesprochen - wirtschaftlich erfolgreiche Bohrungen dieses mindestens kompensieren. 

Lieferte die Pewsumer Bohrung ein Signal, in Krummhörn keine weiteren Suchbohrungen mehr vorzunehmen? Oder wird es irgendwann doch noch weitere Suchbohrungen in der Krummhörn oder der Umgebung geben? 

Im Moment liegen dazu keine Überlegungen geschweige denn Planungen vor.

Wie viel Geld hat ExxonMobil in die Pewsumer Bohrung letztlich investiert?

Mehr als zehn Millionen Euro.

Wie lange liefern die bereits in Krummhörn bestehenden Bohrungen von ExxonMobil noch Ergebnisse? Sind die Ressourcen auf absehbare Zeit in Krummhörn erschöpft?

Bereits seit 50 Jahren fördert ExxonMobil in der Region mit den Bohrungen Uttum Z1, Greetsiel Z1 und Greetsiel West Z1 erfolgreich und störungsfrei Erdgas aus einer Tiefe von mehr als 4000 Metern. Seit Inbetriebnahme haben die Bohrungen rund vier Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Mit dieser Menge könnten alle Haushalte im Landkreis Aurich für rund 30 Jahre mit Erdgas versorgt werden. 

Sind die Ressourcen auf absehbare Zeit in Krummhörn erschöpft?

Die Bohrungen Uttum Z1 und Greetsiel Z1 haben trotz der überdurchschnittlich langen Laufzeit von inzwischen 50 Jahren, üblich sind 15 bis 20 Jahre, nach wie vor wirtschaftliche Produktionsraten. Solange das der Fall ist, bleiben sie in Betrieb und tragen zur sicheren Erdgasversorgung aus heimischen Quellen bei.

Klaus Torp: "Unser Ziel ist es, ein guter Nachbar zu sein."

Sie haben das Projekt Pewsum für die Bevölkerung sehr transparent vom Beginn bis zum Ende durchgeführt. Wie war Ihr Eindruck umgekehrt? Wie nahmen Sie die Reaktionen aus der Bevölkerung wahr?

Als sehr interessiert, konstruktiv, aber auch naturgemäß kritisch. Wir haben uns in der Tat von Beginn an um maximale Transparenz bemüht. Folgende Kommunikationsziele hatten wir uns im Vorfeld gesetzt: Wir wollten die Menschen im Umfeld vor Beginn der Arbeiten umfassend und offen informieren. Während der Arbeiten wollen wir für die Belange der Bevölkerung jederzeit ansprechbar sein. Alle eingesetzten Mitarbeiter und Kontraktoren waren angewiesen,die Arbeiten mit großer Rücksichtnahme auf Natur und Umfeld durchzuführen.

Was haben Sie unternommen?

Um das zu erreichen, haben wir diverse Kommunikationsangebote unterbreitet. Darunter eine gut besuchte öffentliche Informationsveranstaltung in der IGS Pewsum mit Vortrag, Diskussion und „Infomarkt“, bei dem ExxonMobil-Experten Rede und Antwort gestanden haben. Für die unmittelbaren Anwohner haben wir fünf Nachbarschaftstreffen ausgerichtet. Außerdem gab es das ExxonMobil-Info-Mobil auf dem Rathausplatz, auf der Pewsumer Gewerbeschau und zum Bohrbeginn vor dem Lidl-Markt. Während der Bohrphase wurden für Anwohner und Bevölkerung Bohrungsbesichtigungen angeboten. Von allen diesen Angeboten hat die Bevölkerung ausgiebig Gebrauch gemacht. Das hat uns sehr gefreut.

Welchen Anspruch hat das Unternehmen im Hinblick auf die Menschen, die in Ihren Aktivitätsgebieten wohnen?

Unser Ziel ist es, bei allen unseren Aktivitäten ein guter Nachbar zu sein. Auch wenn das Projekt in Pewsum bald mit der Rückgabe der rekultivierten Fläche abgeschlossen ist, bleiben wir in der Region mit den bestehenden Bohrungen weiterhin genau das.